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FAKTEN DER MODEINDUSTRIE

Aktualisiert: 8. Juli 2021




Im heutigen Blogeintrag möchten wir, von HALBVOLL, euch ein paar Fakten zur Modeindustrie liefern, um damit ein Bewusstsein zu schaffen, wie groß die Auswirkung der Modebranche auf die Umwelt wirklich ist.

Das Forbes Magazine schrieb 2015, dass die Bekleidungs- und Textilindustrie als zweitgrößter industrieller „Umweltverschmutzer“ nach der Ölindustrie gilt. Im Jahr 2011 stieß die Textilindustrie noch etwa 850 Millionen Tonnen CO2 aus. Für das Jahr 2030 wird alleine in der Produktion von Mode (ohne Transport, Gebrauch, etc.) ein Ausstoß an CO2 von 2.800 Millionen Tonnen vorhergesagt. Das entspricht einem Zuwachs von 60 Prozent. (Global Fashion Agenda & The Boston Consulting Group, 2017).


Kleidung stößt über den gesamten Lebenszyklus Emissionen aus, insbesondere in der Verarbeitungsphase, beim Waschen und Trocknen der Textilien durch die Verbraucher und bei der Produktion der Rohstoffe. In der Produktion von Textilien entstehen Emissionen insbesondere durch die Verbrennung fossiler Energieträger, den Transport und die Energieerzeugung aber auch durch den Einsatz von Chemikalien, wie z.B. Düngemittel, Pestizide oder Farbstoffe. Im Vergleich verursacht die Acrylfaserproduktion rund viermal so hohe Treibhausgasemissionen wie die Baumwollfaserproduktion.

Die Herstellung von 1 kg Kleidung verursacht im Durchschnitt 23 kg Treibhausgase (McKinsey, 2016). Die Produktion von 10 Jeans verursacht beispielsweise fast genauso viel CO2, wie einmal von Berlin nach München zu fliegen, in etwa 272 Kilogramm (CiR, 2019). In der Nutzungsphase beim Verbraucher ist ein 1kg Kleidung über die gesamte Dauer für zusätzlich 11kg Treibhausgase durch Waschen & Trocknen verantwortlich (McKinsey, 2016). Aus Verbrauchersicht ist insbesondere die Fast Fashion kritisch zu betrachten. Da die Kleidungsstücke oftmals weniger als 5-mal getragen und nur 35 Tage lang aufbewahrt werden. Im Vergleich zu einem Kleidungsstück, dass ein Jahr aufbewahrt wird und 50-mal getragen wird sind das 400 Prozent mehr Kohlenstoffemissionen.


Mikroplastik

Als Mikroplastik werden Plastikstücke bezeichnet, welche kleiner als 5 mm sind. Sie sind also teilweise mit dem bloßen Auge schwer erkennbar. Zu sogenanntem primären Mikroplastik zählen auch mikroskopische Partikel, die zur Herstellung von synthetischen Chemiefasern verwendet werden (Umweltbundesamt, 2013). Zwischen 2015 und 2050 werden 22 Millionen Tonnen Mikrofasern die Ozeane, durch unseren Konsum an Pflegeprodukten und durch die Produktion von Bekleidung, erreichen (Greenpeace, 2017). Zu den synthetischen Chemiefasern gehören neben Polyester auch Polyethylen, Elastan, Nylon oder Acryl. Synthetische Chemiefasern machen an der weltweiten Faserproduktion 74% aus. Lese dir hierzu gerne unseren Blogeintrag zu Mikroplastik durch, um einen tieferen Einblick in dessen Auswirkungen auf die Umwelt und die Arbeiter*innen zu bekommen.


Chemikalien & Pestizide

Die Produktion von verschiedensten Textilien erfordert eine Vielzahl an schädlichen Chemikalien, die giftig sind und sowohl die Arbeitskräfte als auch die Umwelt schädigen. Chemikalien werden in der gesamten Bekleidungslieferkette von der Naturfaserproduktion über Herstellung von Endprodukten (z.B. Farbstoffe, Waschmittel, Wasser- oder Fleckenabweiser, leistungssteigernde Beschichtungen oder Flammschutzmittel) bis zur Gebrauchsphase (u.a. Reinigungsmittel) eingesetzt (WWF, 2017). Bei dem Anbau von Baumwolle werden enorme Mengen Chemikalien, wie Pestizide und Dünger, eingesetzt. Dies führt dazu, dass ca. 25% des weltweiten Insektizid-Marktes und ca. 10% des globalen Pestizid-Marktes auf den Baumwollanbau entfallen (Umweltbundesamt, 2014). Damit ist Baumwolle die weltweit größte pestizidhaltige Einzelpflanze, was sich zusätzlich nachteilig auf Boden und Wasser auswirkt. Für 1 kg Baumwolle, werden alleine beim Anbau bereits 6 kg Chemikalien verwendet (IHK, 2015). Deshalb ist es wichtig beim Kauf immer darauf zu achten, dass der Hersteller Bio-Baumwolle verwendet.


Soziale Folgen

In der Modeindustrie sind weltweit etwa 60 Millionen Arbeiter für die Herstellung von Bekleidung beschäftigt (Global Fashion Agenda & The Boston Consulting Group, 2017). Alleine Frauen machten im Jahr 2004 einen Anteil von 75% der Bekleidungsarbeiter weltweit aus (Mather, 2004).

Viele Bekleidungsunternehmen in den betroffenen Regionen haben Probleme mit den Arbeitsbedingungen in ihrer gesamten Lieferkette. Dazu zählen Kinderarbeit, Niedriglöhne und Gefahren für Gesundheit sowie Sicherheit (McKinsey, 2016). Die Menschen, die in Anbau- und Verarbeitungsländern der Textilbranche arbeiten leiden nicht nur unter der Zerstörung ihrer direkten Umwelt. Die Menschen arbeiten oftmals auch unter menschenunwürdigen Bedingungen und für einen minimalen Lohn, welcher die Lebenshaltungskosten keineswegs deckt.


Wasser

Eine enorme Rolle beim Ressourcenverbrauch in der Modeindustrie spielt der Wasserverbrauch. Die gesamte Textilindustrie gilt als zweitgrößter Wasserverbraucher der Erde (UN, 2019). Im Jahr 2015 wurden 79 Milliarden Kubikmeter Wasser in der Modeindustrie verbraucht (Global Fashion Agenda & The Boston Consulting Group, 2017). Aktuell konsumiert die Modeindustrie 10% des gesamten industriell genutzten Wassers und verursacht 20% des weltweiten Abwassers (Quantis, 2018).


Öl und andere fossile Rohstoffe

Eine weitere Ressource, die in großem Maße in der Modeindustrie verbraucht wird ist Erdöl. Im Jahr 2015 wurden 98 Millionen Tonnen Erdöl nur für die Modeindustrie verbraucht. Der Großteil davon zu Herstellung von Kunstfasern (CiR, 2019).

Im Jahr 2050 werden voraussichtlich 300 Millionen Tonnen nicht erneuerbarer Ressourcen verbraucht. Im Durschnitt werden für die Produktion von einem Kilogramm plastikbasierter synthetischer Faser 1,1 Kilogramm Erdöl verwendet (CiR, 2019).


Boden und Nutzfläche

Zur Produktion von Baumwolle, Zellulose oder zur Viehhaltung für die Modeindustrie wurden bereits 82,5 Millionen Hektar Boden umgewandelt (Global Fashion Agenda & The Boston Consulting Group, 2017). Dies entspricht 5% des kultivierten Bodens weltweit (CiR, 2019) sowie der 5-fachen landwirtschaftlichen Nutzfläche von Deutschland. Würde die gleiche Fläche zur Produktion von Lebensmitteln verwendet, könnten weitere 387 Millionen Menschen auf der Welt ernährt werden. Bis 2030 soll der Anteil an kultivierten Böden weltweit auf 7% anwachsen (United Nations Food and Agriculture Organization, 2018). Über 70 Millionen Bäume werden jedes Jahr gefällt um aus der Zellulose Stoffe wie Viskose, Modal und Lyocell herzustellen (WWF, 2010).



Dies war ein Ausschnitt zu ein paar Fakten der Modeindustrie. Wir möchten durch diese Fakten einen Denkanstoß geben. Für die Erhaltung unserer Erde ist es wichtig, möglichst nachhaltig zu leben. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten seinen Teil beizutragen. Beim Einkauf von Mode auf den Einsatz von nachhaltigen Ressourcen und fairen Arbeitsbedingungen zu achten ist eine davon.

Über unseren HALBVOLL Instagramkanal veröffentlichen wir jeden Freitag einen Fakt zur Modeindustrie und speichern diesen in den Higlights auf unserer Page, um auf die Thematik aufmerksam zu machen.

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